Auch bei VoIP-Notruf Standortermittlung möglich
abgelegt im Archiv Technik am 03.07.06
Die Tage, in denen ein Anruf via VoIP gezwungenermassen anonym erfolge musste, scheinen gezählt. Schon auf der CEBIT 2005 hatte der Anbieter Sipgate eine solche Technologie für die eigenen Nutzer angekündigt. Doch wie heise.de damals berichtete:
bei den sogenannten Röchelanrufen, die vom nomadischen VoIP-Telefon aus gemacht werden, hilft am Ende nur noch eines: die Verknüpfung von IP und Lokalisationsdaten. Hier wären unter anderem auch die verschiedenen Carrier gefragt, regt Salmon an. Doch von solchen Lösungen ist man zumindest derzeit noch weit entfernt.
Ein Jahr später ist die neue Technologie offensichtlich gefunden worden. Denn laut Computerwelt.at hat:
die Management-Beratung Detecon [...] zusammen mit der FH Frankfurt am Main ein Notrufmodell für Anrufe via Internet (VoIP) entwickelt, das den tatsächlichen Standort eines Nutzers auf Basis des Session Initiation Protocol (SIP) ermittelt.
Konkret bedeutet das, dass die jeweils zuständigen Leitzentralen der Rettungsdienste nun auch via VoIP erreicht werden können. Die neue Technologie ist
auch eine neue Herausforderung für Rettungsdienste, beschreibt Detecon-Berater Steffen Oehler die aktuelle Situation: "Im Gegensatz zu einem Notruf über den analogen Telefonanschluss lässt sich bei einem Anruf über Internet kein eindeutiger Festnetzanschluss und damit auch keine geografisch zuständige Rettungseinsatzstelle zuordnen", erklärt Oehler. Verschärft wird das Problem durch Szenarien mit mehreren beteiligten VoIP-Diensteanbietern und Zugangsnetzbetreibern. So variieren die Notrufsysteme weltweit sehr stark, sollen in den Netzen der nächsten Generation aber möglichst den gleichen Standard aufweisen.
Der gemeinsam mit der FH Frankfurt gefundene Lösungsansatz zur Standortidentifizierung nutzt das Session Initiation Protocol (SIP), das bei VoIP für den Verbindungsaufbau zwischen den Telefonen sorgt. "Ein SIP-Telefon muss sich dabei immer zunächst am heimischen SIP-Server anmelden, um die derzeitige Internet-Adresse mitzuteilen", erklärt Professor Ulrich Trick, Dozent des Fachbereichs Informatik und Ingenieurwissenschaften an der FH Frankfurt. Mit Hilfe dieser Signale lassen sich die physischen Netzwerkadressen auslesen und dem Nutzer zuordnen, woraus wiederum eindeutig auf den genutzten DSL-Eingangsport geschlossen werden kann. Laut Trick ermittelt das Modell den Standort auch dann korrekt, wenn der abgesetzte Notruf im IP-Netz nacheinander Einwahlknoten mehrerer Provider und sowohl Ethernet- als auch ATM-Netze passiert.
Für komplexere Netzszenarien müssten sich Anbieter und Behörden allerdings noch auf Schnittstellenstandards für die dann erforderliche Kommunikation zwischen verschiedenen Providern einigen. Selbst dann ist das Modell allerdings nicht für Skype und andere VoIP-Dienste geeignet, die nicht auf SIP-Basis, sondern mit einem proprietären Protokoll arbeiten.
Es ist also noch eine Menge zu tun, bis das Erreichen des jeweils richtigen Rettungsdienstes zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Tags: VoIP Notruf voip notruf mã¶glich voip+notruf standortermittlung+mã¶glich not
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